23. Januar 2008
Seit Anfang 2007 präsentiert das Deutsche Sport & Olympia Museum gemeinsam mit dem Meyer & Meyer Verlag aus Aachen spannende Neuerscheinungen der Öffentlichkeit.
Am 23. Januar 2008 wurde das von Prof. Dr. Roland Naul, Leiter des Willibald-Gebhardt-Instituts in Bochum, verfasste Buch "Olympische Erziehung" im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Kurt-Brumme-Galerie des Museums vorgestellt.
Nach einer Begrüßung und Vorstellung der Diskussionsteilnehmer durch Hans Jürgen Meyer übernahm Museumsdirektor Dr. Christian Wacker die Moderation und bat Prof. Dr. Roland Naul ,sein Werk darzustellen. Dieser betonte zunächst, dass der Band keine akademische Intention habe, sondern für lehrend Tätige gedacht sei, beispielsweise Lehrer im Leistungsfach Sport, aber auch für Trainer und Übungsleiter. Naul bezeichnete sein Buch einen "Lehrbehelf" für die Praktiker an der Basis.
Dr. Rolf Geßmann, vom Sportdidaktischen Institut der Deutschen Sporthochschule verwies in seinem Statement auf die historische Komponente und hob hervor, dass das "Deutsche Turnen" und die "Schwedische Gymnastik" im Vergleich zu Coubertins Vorschlägen zu statisch gewesen seien. Coubertins Postulat der gegenseitigen Achtung, die Erziehung zu Fair Play und die Formung des Charakters mit Hilfe des Sports sei für die damalige Zeit sehr fortschrittlich gewesen. Olympische Erziehung sei für ihn, nicht nur sachlich und sportlich, sondern auch menschlich gut zu sein bzw. sich in allen drei Bereichen weiterzuentwickeln. Bei Wettkämpfen sei es wichtig, dabei zu sein und sein Bestes zu geben. Man müsse versuchen, das Beste aus sich und seinen Gaben machen.
Robert Marxen, langjähriger Leiter des Kuratoriums Olympische Akademie, betonte, dass für ihn Olympische Erziehung vor allem Werte-Erziehung sei. Diese sei am besten über Multiplikatoren zu erreichen, was zum einen durch Fortbildungen von Lehrern und Trainern, zum anderen durch handlungsorientierte Materialien zu erreichen sei.
Prof. Dr. Manfred Lämmer, Präsidiumsmitglied der Deutschen Olympischen Akademie Willi Daume, stellte die These auf, dass die Olympische Erziehung ein Opfer des Erfolgs der Olympischen Spiele geworden sei. Die ursprüngliche Hauptsache - Olympische Erziehung - sei zur Nebensache geworden, das Welt-Ereignis "Olympische Spiele" überstrahle alles andere. Nichtsdestotrotz unterstrich er, dass zukünftig der erzieherische Ansatz des Sports weiter zunehmen werde und somit auch die Olympische Erziehung immer wichtiger werde.
Auf die Frage, wie sich die Olympische Erziehung von anderen Erziehungsmodellen abgrenze, antwortete Marxen, dass diese sich für ihn vor allem in der Einübung und Einhaltung von moralischen Werten in Konkurrenzsituationen äußere. Olympische Erziehung habe ein positives Menschenbild und trage dazu bei, dieses zu verwirklichen.
Geßmann warf ein, als olympischer Erzieher werde man auch schon einmal als "olympischer Rattenfänger für Kinder" bezeichnet. Das Phänomen Olympia habe ja durchaus eine starke Ambivalenz: Auf der einen Seite würden Werte wie Fair Play und Achtung vor dem Konkurrenten vermittelt und propagiert, zum anderen zeige sich aber auch, dass diese Wunschvorstellung oft nicht eingehalten werde. Manfred Lämmer brachte dies mit der Formulierung auf den Punkt "Erzogen wird bei den Kindern, gesündigt wird bei den Athleten."
Abschließend hob Roland Naul hervor, dass die Athleten Botschafter seien, die sich ihrer immensen Bedeutung aber oft nicht genügend bewusst seien. Er forderte daher dazu auf, dass alle, sowohl Athleten als auch Lehrer, Trainer und Übungsleiter, das gesamte sportliche Umfeld auch hinsichtlich der olympischen Werte olympia-reif gestalten müssen.
Im Anschluss an die Diskussion überreichte Prof. Roland Naul die Willibald-Gebhardt-Plakette an Dr. Christian Wacker, die in Kürze neben der Büste von Pierre de Coubertin im Museum an den Begründer der Olympischen Bewegung in Deutschland erinnern wird.
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