23. August 2006
Ausstellung im Deutschen Sport & Olympia Museum vom 25. August bis 26. November 2006
„Manchmal komme ich mir wie ein wandelndes Monument vor” – so beginnt Max Schmeling seine im Jahr 1977 erschienenen „Erinnerungen“. Zum damaligen Zeitpunkt ist er „gerade einmal“ 72 Jahre alt. Dass er dank bemerkenswert guter Konstitution noch einen Lebensweg von mehr als 25 Jahren vor sich hat, kann er 1977 noch nicht wissen. Als Schmeling dann am 2. Februar 2005 im Alter von 99 Jahren in seinem Haus in Hollenstedt stirbt, geht eine einmalige Karriere zu Ende. Nahezu hundert Jahre deutscher Geschichte hat Max Schmeling erlebt. Nach der Kindheit im Kaiserreich erboxt er sich während der Weimarer Republik und den Jahren der NS-Diktatur sportlichen – und auch gesellschaftlichen – Ruhm, ehe er dann in der jungen Bundesrepublik Deutschland eine steile Wirtschaftskarriere beginnt und endgültig zu einer deutschen (Sport-)Legende wird.
Dem Leben Max Schmelings widmet nun das Deutsche Sport & Olympia Museum, dem nach dem Tode Schmelings dessen sportlicher Nachlass durch die Max-Schmeling-Stiftung überreicht wurde, die große Ausstellung „Max Schmeling“, die vom 25. August bis zum 26. November 2006 in Köln zu sehen ist und in Kooperation mit dem Hamburger Helms-Museum präsentiert wird.
Gezeigt werden können nach Sichtung und Auswertung des Nachlasses Objekte und Dokumente, die bislang noch nicht museal präsentiert worden sind. Briefe an Schmeling belegen beispielsweise, welch großen Anteil viele Deutsche am Leben „ihres“ Max’ nahmen: So finden sich im Nachlass Schreiben mit wüsten Schimpfkanonaden und unflätigen Beleidigungen der ihm nicht Wohlgesonnenen – Schmeling bewahrte auch solche Briefe auf – sowie Fanbriefe wie der einer Frau Bötticher an Schmelings Trainer Max Machon: Verfasst 1948 im Auftrag ihres noch in russischer Kriegsgefangenschaft sitzenden Mannes, erhält Machon den „streng vertraulichen“ Rat, Schmeling den anstehenden Kampf gegen Walter Neusel mit Hilfe eines genau dosierten Mixgetränks aus Cola, Koffein und Kokain zu erleichtern. Machons galante Antwort: „Herzlichen Dank für Ihren Brief […]. Zum gut gemeinten Vorschlag Ihres Mannes kann ich sagen, daß so etwas bei Max nicht notwendig ist, weil er eben eine Ausnahme ist.“ (Hier irrte sich Machon: der ungedopte Schmeling verlor seinen drittletzten Kampf am 29. Mai 1948 gegen Walter Neusel nach Punkten.)
Weiterhin zeigt die Ausstellung attraktive Objekte wie den original goldenen Weltmeisterring von 1930 oder den Gürtel zur Deutschen Meisterschaft im Halbschwergewicht 1927, die Schmeling gegen den Kölner Hein Domgörgen gewann. In Wort und Bild behandelt werden natürlich auch die bekannten sportlichen Eckpunkte der Schmeling’schen Karriere – Beginn der Boxlaufbahn in Köln, Profi-Karriere in Amerika, Schwergewichts-Weltmeister 1930-32 , K.o.-Sieg über Joe Louis 1936 und die vernichtende Niederlage gegen Louis im WM-Kampf 1938 sowie das kurze Nachkriegs-Comeback. Darüber hinaus die wichtigen privaten Stationen wie die Ehe mit Filmschauspielerin Anny Ondra, die Nachkriegskarriere als Geschäftsmann, Schmelings Leidenschaft für die Jagd und das große soziale Engagement, das 1991 in der Gründung der “Max-Schmeling-Stiftung“ gipfelte. Ebenfalls dargestellt wird die „Legende“ Max Schmeling, unzählige Auszeichnungen und Ehrungen belegen dessen lebenslang andauernde Popularität. Ganz Profi, der das boxerische Ballyhoo von der Pike auf gelernt hatte, verstand es Schmeling stets, sich gut in Szene zu setzen.
Als sportlicher Partner der Ausstellung fungiert der S.C. Colonia 06, der als Deutschlands ältester Boxclub mit einem Festakt im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 24. August 2006 im Deutschen Sport & Olympia Museum sein hundertjähriges Jubiläum feiert. Die Darstellung der Clubgeschichte ist in die Ausstellung „Max Schmeling“ integriert, war doch Schmeling im Jahr 1924 bis zu seinem Profidebut am 2. August 1924 in Düsseldorf Mitglied im S.C. Colonia 06.
Künstlerisch begleitet wird die Ausstellung von Lars Käker, der mit „Boxer XXL“ eine fünfteilige Serie großformatiger Boxerportraits – neben Schmeling die Box-Brüder Vitali und Wladimir Klitschko sowie Rüdiger und Torsten May – geschaffen hat. |